Zitatsammlung

Ernst R. Hauschka
 Aphoristiker (geb. 1926)

An nichts gewöhnt man sich so schnell wie an das langsame Arbeiten.
Das Lesen im Bett zeugt von völliger Hingabe an die Kunst: Man überläßt es dem Dichter, wann man einschläft.
Der Verstand ist wie eine Fahrkarte: Sie hat nur dann einen Sinn, wenn sie benutzt wird.
Der ärger ist als Gewitter, nicht als Dauerregen gedacht, er soll die Luft reinigen und nicht die Ernte verderben.
Die bescheidenen Menschen wären die berufenen Politiker, wenn sie nicht so bescheiden wären.
Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen.
Die Ungerechtigkeit der Geschichte besteht darin, daß wir die gleichen Augen und Ohren haben wie unsere Vorfahren, obwohl wir weit mehr hören und sehen als sie.
Gegen das zunehmende Wissen der Menschen wäre nichts einzuwenden, wenn sie dadurch gescheiter würden.
Genau die Kraft, die gefehlt hat, um einen Sieg zu erringen braucht man, um eine Niederlage zu verkraften.
Man darf beim Schreiben keine Ehrfurcht haben.
Man glaubt gar nicht, wieviel gedruckt wird, ohne daß es jemals gelesen wird.
Manche hübsche Weintraube eines Weisen lebt weiter als Rosine im Kopf eines Narren.
Manche Menschen sind wie gewaltige Berge: je höher, um so eisiger.
Manchmal kann man die Vergangenheit mit den Sinnen festhalten: Die eine riecht nach wohltuender Erinnerung, die andere stinkt zum Himmel
Neid ist die Eifersucht darüber, daß sich Gott auch mit anderen Menschen außer uns beschäftigt.
Ohne Leiden bildet sich kein Charakter.
Ohne Vorbehalte kann man nur mit jemandem diskutieren, wenn dieser von der Sache nichts versteht.
Pläne sind die Träume der Verständigen.
Schon mancher dumme Verlierer wurde der heimliche Sieger.
Selbst ernannte Moralapostel geraten ins Schwärmen, wenn sie die Moral anderer Leute zur Sprache bringen.
Was man vergißt, hat man im Grunde nicht erlebt.
Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überläßt?
Wenn man in seinen Gedanken versinkt, darf man sich nicht mit seichtem Wasser begnügen.
Wer im Geld schwimmt, hält einen Rettungsring für eine Zumutung.
Wir hoffen immer auf den nächsten Tag, wahrscheinlich erhofft sich der nächste Tag einiges von uns.
 

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