Am Wochenende vom 28.-30. November trafen sich die Ostdeutschen Wingolfsverbindungen in Erfurt.
Das heißt, und das sei zuvor bemerkt, diesmal ließen uns unsere Bundesbrüder aus Rostock im Stich und erschienen leider nicht, hoffentlich lässt sich das mal wieder nachholen. Aus allen anderen aktiven Verbindungen, also aus Berlin, Leipzig, Jena und auch aus Halle waren Bundesbrüder gekommen um unsere lieben Bundesbrüder aus Erfurt anlässlich der Ostkreuzkneipe zu besuchen.
Die eingefleischten Kenner wissen, dass die Männer im Osten besser küssen. Dass die Mädchen im Osten schöner sind, weiß heutzutage jedes Kind. Dass die Mauern im Osten besser halten, dass die meisten hier meistens etwas schneller schalten, dass eigentlich fast alles etwas besser ist, als im Westen.
Wir trafen bereits am Freitagabend ein und nach einem kurzen Imbiss verlebten wir einen langen, sangesschwangeren und feucht-fröhlichen Abend auf der Etage der Erfurter. Die, einigen Hallensern noch nicht bekannt, allesamt formidable Kerle sind, mit denen es sich außerordentlich angenehm aushalten lässt.
Am nächsten Morgen nahmen die Leipziger und wir das Angebot der Erfurter zu einer ausgedehnten Stadtführung durch Erfurt war. Nach über zwei Stunden Spaziergang durch Innenstadt, Zisterne und Dom blieb eines überdeutlich hängen, so schön hatten jene, die noch nie in Erfurt waren, sich die Stadt nicht vorgestellt. An so vielen interessanten Ecken sind wir vorbei gekommen, dass ein Wiederkommen unbedingt von Nöten ist. Abgerundet wurde die Stadttour nach einer Fotosession auf den Domstufen mit einem Umtrunk auf dem Weihnachtsmarkt.
Zum Gottesdienst trafen wir uns in einer benachbarten Gemeinde. Der Gottesdienst war kurz, was der Tatsache des permanenten Stehens geschuldet, auch nicht ganz so übel war. Trotzdem wurde uns der Beginn des neuen Kirchenjahres und des Adventes anschaulich vor Augen geführt. Im benachbarten Gemeindehaus kehrten wir zur Kneipe ein.
Die Kneipe im großzügigen Gemeindesaal verlief gesellig und fröhlich, obwohl die Kneipdisziplin einiger Bundesbrüder doch zu wünschen übrig lässt. Das Telefonieren und Dazwischenbrüllen auf einer Kneipe, besonders aber im Offiz nichts zu suchen haben, sollte allen klar sein. Schade aber auch, dass sich das Präsidium etwas provozieren ließ.
Bedauerlicherweise verabschiedeten sich die vor Beginn des Gottesdienstes angereisten Bundesbrüder aus Berlin bereits kurz nach der Kneipe. Leider, denn nur beim Kneipen kann man sich doch nicht richtig kennen lernen! Uns verschlug es recht-zeitig auf die Etage der Erfurter, auf der wir bis in die Morgenstunden gemeinsam mit unseren Erfurter und Leipzigern Bundesbrüdern feierten. Das ganze Wochenende, bis hin zu den Frühstücken am Sonnabend und Sonntag, den kleinen Aufmerksamkeiten, war hervorragend organisiert: ein wirklicher Markstein.
Die, diesem Artikel vorausgestellte Strophe des Popliedes „Im Osten“ von Niemann, spricht neben den offensichtlichen Tatsachen: das bessere Küssen der Männer im Osten, und die Attraktivität der ostdeutschen Mädchen; auch an, dass die Mauern im Osten länger halten. Damit können allerdings nicht die Mauern der Unkenntnis und der Kilometerentfernung zwischen den Bundesbrüdern der ostdeutschen Wingolfsverbindungen gemeint sein! Jedem Bundesbruder der offen dafür war und genug Zeit mitgebracht hatte, ist an diesem Wochenende die große gegenseitige Sympathie und Freundschaft offenbar geworden.
Ein altes lateinisches Sprichwort, vom Christentum seit jeher auf Jesus Christus bezogen, heißt: ex oriente lux – aus dem Osten das Licht. Liebe Bundesbrüder, hier im Osten wächst was heran, eine unbeschwerte Bundesbrüderlichkeit, die auch einmal über die Prägungen der Einzelverbindung hinweg sehen kann und Interesse an unserem großen Bund weckt. In diesem Sinne noch einmal ein herzliches Dankeschön an die lieben Gastgeber und Bundesbrüder des Erfurter Wingolf Georgia!