Die Jahreslosung für das Jahr 2008 ist entnommen aus dem Evangelium nach Johannes und gehört in Jesu Verheißung des Heiligen Geistes, den er den Jüngern, als quasi Ersatz für sich selbst, verkündet.
„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote befolgen. Und ich werde den Vater bitten, dass er euch an meiner Stelle einen anderen Helfer gibt, der für immer bei euch bleibt, den Geist der Wahrheit. Die Welt kann ihn nicht bekommen, weil sie ihn nicht sehen kann und nichts von ihm versteht. Aber ihr kennt ihn, denn er wird bei euch bleiben und in euch leben. Ich lasse euch nicht wie Waisenkinder allein; ich komme wieder zu euch. Es dauert noch eine kurze Zeit, dann wird die Welt mich nicht mehr sehen. Aber ihr werdet mich dann sehen, und ihr werdet leben, weil ich lebe. Wenn dieser Tag kommt, werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater lebe und dass ihr in mir lebt und ich in euch. Wer meine Gebote annimmt und sie befolgt, der liebt mich wirklich. Und wer mich liebt, den wird mein Vater lieben. Auch ich werde ihn lieben und ihm meine Herrlichkeit offenbaren.“ (aus der Guten Nachricht nach Johannes 14, 15-21)
Lieben und Leben, das sind die Worte, die diese Bibelstelle dominieren. Und gerade dadurch ist uns eine Menge darüber gesagt, wie denn das Leben mit dem Heiligen Geist aussehen könnte. Die Befolgung der Gebote Jesu, aus Liebe zum Auferstandenen, spielt hier die zentrale Rolle. Für die Jünger damals wohl, genauso wie für uns heute, eine schwierige Sache. Bisher hingen sie sich an Jesus, was er sagte und was er tat, war für sie bewundernswert und nachahmbar. Zugleich war Jesus auch ansprechbar für Anfragen und Kritik der Jünger, die Manches nicht verstanden. Die Vorstellung, nur noch auf das gesprochene, erinnerte Wort angewiesen zu sein, nicht unmittelbar in einer Gemeinschaft mit Jesus zu stehen, muss wirklich zum fürchten gewesen sein. Woran sollten sie sich jetzt klammern?
Wenn Jesus uns den Heiligen Geist als Tröster oder Helfer zuspricht, dann nicht in der Absicht, dass wir, an dem was uns von ihm geblieben ist, festkleben. Das Halten der Gebote ist nicht so zu verstehen, dass man in Abwesenheit des Erlösers, die Erlösung wieder in den Buchstaben sucht. Nein, die Zusage „ihr werdet leben, weil ich lebe“, „ich lebe, und ihr sollt auch leben“ soll uns zu einem wirklich „erlösten“ Leben ermutigen. Der Heilige Geist ist die große Gabe an uns: er sorgt für die Bindung an die Weisungen Gottes, gibt den Jüngern und auch uns die Kraft zum mutigen Zeugnis und führt uns zur Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn. Oder wie es ein frisch Konfirmierter letztes Jahr in meiner Jugendgruppe formulierte:
„Der Heilige Geist ist wie ein Wind, der uns ins Ohr säuselt; der Verstehen, Verständnis in uns weckt und eine Flamme der Begeisterung entzündet, die stark in uns brennt.“
Diese Flamme macht uns heiß auf das volle Leben, auf alles Fröhliche, das uns begegnet, auf das Feiern, das Lachen, den Spaß und die Leichtigkeit, auf alle, auch noch so abwegige, Genüsse. Leben wie Jesus lebte, heißt auch die Korken knallen zulassen! Und dieser Wind sorgt dafür, dass wir Andere besser verstehen, sie nicht in Schubladen stecken oder in Ecken stellen, sie nicht ausschließen, sie nicht diffamieren, sondern sie - im wahrsten christlichen Sinne - lieben.
Wirklich Leben, weil auch Jesus lebt, heißt liebend leben - das volle Leben. Das Leben lieben und den Nächsten lieben. Das wünsche ich uns allen für das neue Jahr 2008.