Gedanken zur Jahreslosung 2009

von Philipp Greifenstein

Die Jahreslosung für das neue Jahr „Jesus Christus spricht: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ (Lukas 18, 27) stammt aus einer Erzählung des Evangelisten Lukas über die Begegnung Jesu mit einem „Oberen“, einem wohlhabenden, angesehenen Menschen. Wichtig ist die Frage: Was muss, was kann der Mensch tun um selig zu werden?

Jesus macht deutlich, dass nicht der Mensch handelt, sondern Gott. Er fordert von dem Mann, der bisher alle Gebote gehalten hatte, seinen gesamten Reichtum wegzugeben. Für Menschen, auch wie wir sie sind, eine schwere Bürde, alles abzugeben, was wir uns erarbeitet, was uns vielleicht vererbt und zugefallen ist. Zu viel für den Mann in der Erzählung. Die Jünger fragen zu Recht: Wer kann dann selig werden? Was kann man denn tun, um selig zu werden?

„Der junge Samuel half Eli beim Priesterdienst. In jener Zeit kam es nur noch selten vor, dass der HERR zu einem Menschen sprach und ihm etwas offenbarte. Eli war fast erblindet. Eines Nachts schlief er an seinem gewohnten Platz und auch Samuel schlief im Heiligtum, ganz in der Nähe der Bundeslade. Die Lampe im Heiligtum brannte noch. Da rief der HERR: »Samuel! « »Ja«, antwortete der Junge, lief schnell zu Eli und sagte: »Hier bin ich, du hast mich gerufen! « »Nein«, sagte Eli, »ich habe nicht gerufen. Geh wieder schlafen! « Samuel ging und legte sich wieder hin. Noch einmal rief der HERR: »Samuel! «, und wieder stand der Junge auf, ging zu Eli und sagte: »Hier bin ich, du hast mich gerufen! « Aber Eli wiederholte: »Ich habe dich nicht gerufen, mein Junge, geh nur wieder schlafen! « Samuel wusste noch nicht, dass es der HERR war; denn er hatte seine Stimme noch nie gehört. Der HERR rief ihn zum dritten Mal und wieder stand Samuel auf, ging zu Eli und sagte: »Hier bin ich, du hast mich gerufen!« Da merkte Eli, dass es der HERR war, der den Jungen rief, und er sagte zu ihm: »Geh wieder schlafen, und wenn du noch einmal gerufen wirst, dann antworte: 'Sprich, HERR, dein Diener hört!« Samuel ging und legte sich wieder hin. Da trat der HERR zu ihm und rief wie zuvor: »Samuel! Samuel!« Der Junge antwortete: »Sprich, dein Diener hört! « (1. Samuel 3, 1-10)

Diese kurze Erzählung aus dem Alten Testament, aus dem Buch Samuel, das uns die Lebensgeschichte des bedeutenden Propheten Samuel, der schließlich die Könige Israels salben sollte, erzählt, steht nicht umsonst hier. Sie zeigt uns exemplarisch, wie das Handeln Gottes in unserer Welt aussehen kann. Wo der Weg zur Seligkeit verläuft und wie wir ihn gehen können.

Die Erzählung beginnt mit der Feststellung, dass die gegenwärtige Zeit eine ist, in der sich Gott selten offenbart. Gut nachvollziehbar für uns, die wir doch oft das Gefühl haben, Gott habe zu unserer Welt, in unserer Welt nichts mehr zu sagen. Wer rechnet denn schon mit dem Eingreifen Gottes in unsere Welt? Wer rechnet denn schon damit von ihm angesprochen zu werden?

„Eines Nachts schlief er an seinem gewohnten Platz und auch Samuel schlief im Heiligtum, ganz in der Nähe der Bundeslade.“ Samuel arbeitet zu der Zeit im Tempel, er schläft auch dort, er hält sich nahe an den irdischen Zeichen der Gegenwart Gottes. Auch heute bleibt uns manchmal nichts anderes übrig, als uns an dem festzuhalten, was von dieser Seligkeit auch in unserer Welt übrig geblieben ist. Zu Weihnachten sind das besonders die Lichter, die Kerzen, die alten, wohlbekannten Geschichten, liebe Menschen. Sie vermitteln uns ein Bild von dem, was mit Gottes Herrlichkeit gemeint ist, und sind doch nur ein schwacher Abglanz dessen.

Und nun geschieht es: Gott redet Samuel an. Er ruft ihn, ganz schlicht bei seinem Namen. Kein Wunder, dass Samuel damit überfordert ist. Wer ruft? Reflexartig läuft er zu seinem Herrn, Eli, doch der schickt ihn wieder schlafen. Genauso wie Samuel im Schlaf gerufen wird, werden auch wir aus unserem Schlaf gerufen. Mitten in der Nacht werden wir aus unserem Leben gerufen. Viele Menschen spüren heute diesen Ruf. Den Ruf nach Veränderung, nach Freiheit, nach Lebenssinn. Doch finden wir den Lebenssinn in bloßer Veränderung unserer Lebensumstände, vielleicht mit einem neuen Partner, finden wir die Freiheit, in dem wir dem Egoismus ein neues Etikett der Selbstverwirklichung geben? Laufen nicht auch wir zu unseren alten Herren? Gewinnsucht und Anerkennung, aber auch das Bedürfnis, geliebt und gehört zu werden, spielen hier eine Rolle.

Genauso wie Samuel mehrmals erwachen muss, so verpassen auch wir so manche Chance in unserem Leben, doch: Gott gibt uns nicht auf, er wartet geduldig auf unsere Antwort. Nur, Antwort geben, diesen Anspruch gibt er nicht auf, das bleibt ganz bei uns. Die Antwort in der Geschichte ist einfach: „Sprich, dein Diener hört!“ Hiermit ist nicht ein Dienst gemeint, wie wir ihn tagtäglich den irdischen Herren leisten, sondern ein Dienst wie er dem HERRn gebührt.

Nichts will Gott mehr, als dass wir ein Ohr haben für seine Weisungen und Ratschläge, damit unser Leben gelingen kann und wir wahrhaftig selig werden. Mehr müssen, ja können wir nicht tun. Das verkündet uns die Jahreslosung. Es gibt wahrlich schlechtere Nachrichten als diese.

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Zuletzt bearbeitet am: Sonntag, 11. Januar 2009 01:08

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